Die Gonao

Es war einmal ein Schimpi Namens Maino, der lebte in einem schönen grünen Wald, weit weg von überall. Aber er war nicht allein, denn er lebte in einer großen Gruppe von andern Schimpis auf den Bäumen der Gonao. So nannte sich der Stamm der Schimpis in der Gegend und hatte so schon einen ganz guten Ruf. Das besondere dieser Gonao war, dass sie sich nicht wie gewöhnliche Schimpis fortbewegten, in dem sie rannten und hüpften….nein, die Gonao hatte etwas anderes entwickelt.

Das Gerät wurde "Doppelrund" genannt. Es war nicht anderes als ein stabiles Stück Holz etwa von der Länge und Dicke eines Staffelholzes. Es war rund. An den beiden Enden dieses Stabes waren zwei große Nüsse aufgesteckt, die möglichst kugelförmig waren und hatten einen Durchmesser von etwa einer Faust. Um sich damit fortzubewegen brauchten die Gonao 4 dieser Doppelrund; zwei für die Hände und zwei für die Füße. Ebenfalls war ein möglichst flacher und fester Untergrund nötig. Auf allen Vieren und mit 4 Doppelholz bewaffnet rollten die Gonao durch den Wald. Damit das funktioniert bildeten sie in regelmäßigen Abstanden und streng nach Plan Gruppen die ausgewählte Strecken ausbauten. Das lief so ab, dass sich die 5-10 Eingeteilten so viel in die Hände nahmen wie sie tragen konnten und eine große, breite und flache Holzscheiben in die Füße nahmen und so im Gänsemarsch einen Pfad austrampelten. Diese führten meist zu Orten die oft und gerne besucht wurden, wie zum Beispiel Stellen im Wald wo besonders viele Früchte reiften, eine besondere Aussicht über den Wald war oder Lichtungen auf denen oft Treffen stattfanden.
So hatten die Gonao von Generation zu Generation dieses Wegenetz aufgebaut und mit der Technik des Doppelrundens, wie sich die Fortbewegung mit Doppelrunden nennt, viel weitere Strecken zurückgelegt, als es anderen Stämmen möglich gewesen ist. Manche Wege waren so alt und viel benutzt, dass man glauben konnte, dass selbst Elefanten darauf fahren konnten; was natürlich nicht der Fall war.

Die Gonao lebten unbeschwert, denn durch die Doppelholz hatten sie keinen Mangel an Essen, weil sie eben leicht und schnell an weit entfernte Ort gelangten. Dadurch hatten Sie viel Zeit sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Eine davon war natürlich das erlernen und üben des Doppelholzens. Maino war ein sehr guter Doppelholzer und nahm auch regelmäßig an den Stammesvergleichen teil.
Auf dem Gonao Platz versammelten sich die Doppelholzer und der sogenannte Oberdoppelholzer auf einer Kiste von Gegenständen zufällig einen Herauszog. Jeder Gegenstand war typisch für einen Ort im Gebiet der Gonao, an den es mit Hilfe der Doppelholz so schnell wie möglich zu gelangen galt und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Ein Gegenstand konnte zum Beispiel eine Niptonfrucht sein, die nur in den Weithöfen im Gebiet der Gonao vorkam. Eine gleiche Frucht galt es für die Teilnehmer zu holen und dem Oberdoppelholzer vorzuzeigen. Wer das am schnellsten konnte war der Sieger.
Um sich auf die Doppelholz Vergleiche vorzubereiten war es natürlich nötig weit im Gebiet der Gonao umher zu doppelholzen und die Gegend zu erkunden, denn nur wer wusste wo bestimmt Früchte und andere Dinge zu finden waren konnte bei einem Doppelholzvergleich erfolgreich sein.
Die Gruppe um Maino hatte sich es zur regelmäßigen Aufgabe gemacht große Runden zu drehen um zu einen schneller und aber auch ortskundiger zu werden. Eine besondere Runde war die sogenannte Gonaoumrundung, die bis an die Nord-, West-, Süd- und Ostgrenze des gesamten Gebietes führte und nur für die besten der Doppelholzer gedacht war, den ein es galt einen ganzen Tag auf den Nüssen auszuhalten. Die Gonaoumrundung sorgte bei den Gonao natürlich immer für viel Aufsehen und es war in alle Munde wenn so etwas stattfand. Lange davor wurde darüber schon geredet und auch danach wurden die Teilnehmer erwartet um neue Geschichten und aktuelles aus ganz Gonao zu berichten.

Eine dieser Tage war wieder einmal vor der Sonnenwende in Mainos 13 ten Lebensjahrs. Wieder einmal ging es auf die Gonaoumrundung und wieder einmal waren die Teilnehmer begeistert und das Gerede danach riesig, so dass sich fast keiner des Themas entziehen konnte, auch Taoa nicht. Sie war ebenfalls eine begeisterte Doppelholzerin und sehr gut in dem was sie dazu tat. Es war eine Bekannte die ihr die Neuigkeiten von der Gonaoumrundung berichtete und von den tollen Erlebnissen um die Gruppe von Maino berichtete. Taoa nahm sich darauf hin vor einmal etwas mehr über die Gruppe zu erfahren und gab ihrer Bekannten eine Sendeschneckenhaus mit einer Nachricht für Maino mit, mit der Bitte um eine Treffen um sich einmal über eine Teilnahme in der Gruppe zu unterhalten.

Sendeschnecken sind für unsere Verhältnisse große Schnecken, die ein großes Haus besitzen, das sehr viel Spiralen hat, so viele, dass wenn man hineinspricht das Echo sehr lange braucht bis es wieder zu hören ist. Hält man nur zwei Schneckenhäuser gegeneinander gehen die gesprochenen Worte immer von einer in das andere Schneckenhaus. Er wenn sie wieder auseinander genommen werden können die Worte wieder gehört werden. Eine sehr verbreitete Methode mit anderen zu reden, ohne sich zu treffen.

Nachdem sie Sendeschnecke ein paar Mal hin und her gegangen war verabredeten sich Taoa und Maino zu einem Treffen am "Kleinen See", ein beliebter Treffpunkt unter den Gonao.

Ihre Doppelrund hatte sie beide diesmal natürlich nicht dabei, denn es sollte ja ein einfaches Gespräch von Schimpi zu Schimpi werden. Schnell wurden die nötigen Infos ausgetauscht und man unterhielt sich über dies und das.
Maino war an dem Abend nicht ganz fit, da er bei seiner letzten Doppelholz Runde bei den Niptonfrüchten etwas zu herzhaft zugegriffen hatte und jetzt Montegonaos Rache ertragen musste. Doch nach allem war das Treffen eine runde Sache und die beiden beschlossen sich zusammen mit Mainos Gruppe mal zu Treffen und dem Doppelrunden nachzugehen.
Taoa hatte viel Spaß an der ganze Sache und ein Auge auf Maino geworfen und Maino ebenfalls ein Auge auf Taoa.
Eine Ästung war bei den Gonao eine Stelle in einem der besonders großen Bäume die sich die Schimpis so eingerichtet hatten, dass sie sich dort über die Nacht aufhalten konnten ohne den Gefahren aus dem Dschungel ausgesetzt zu sein. Die Ästungen waren sehr unterschiedlich von Schimpi zu Schimpi und konnten von Kleinen, die gerade zum Schlafen taugten zu Geräumigen über mehrer Bäume reiche, auf denen sich mehre Schimpis aufhalten konnten.
Mainos Ästung war eher eine der kleine, dafür schön und ruhig gelegen und alles Nötige war vorhanden um auch bei schlechtem Wetter gut geschützt zu sein. Nach abermals ein paar Sendeschnecken verabredeten sich Taoa und Maino auch dort um ein mal für sich, ohne die Gruppe von Maino, zu sein. Und so entwickelte sich zwischen Maino und Taoa bald mehr als nur eine Freundschaft und die beiden verbrachten jede freie Zeit die Ihnen neben dem Früchte sammeln und Jagen blieb. Es war für beide eine spannende Zeit. Sie nahmen gemeinsam an Doppelholzvergleichen teil die weit in und um Gonao verstreut waren, sie trafen viele andere Schimpis und auch Taoa freundete sich mit der Gruppe um Maino an.

Taoa wohnte noch in der Ästung von ihren Eltern und die Entfernung zu Mainos Ästung war doch recht groß und es ging viel Zeit dabei verloren sich zu treffen, dass Taoa immer öfter auch längere Zeit bei Maino blieb. Nur zeigte sich, dass der Baum auf dem die Ästung von Maino war einfach zu wenig Platz für zwei Schimpis bot und so beschlossen Sie sich einen anderen Baum zu suchen um dort eine größere Ästung einzurichten. Die Ruhe und die gute Lage wollten sie dafür nicht aufgeben. Auf einem recht alten Baum lebten zwei alte Schimpis. Der eine war der Bauer der Ästung und der andere sein Freund Käno, der die Ästung auch tatsächlich bewohnte. Die Ästung war recht runtergekommen, was aber nicht nur an dem alten Baum lag, sondern vor allem an der Art wie der Käno dort hauste. Nur wenige zuvor hatten sie Ästung näher angeschaut auch wenn Käno dort nicht länger wohnen wollte. Taoa und Maino hatten aber genug Phantasie um sich vorstellen zu können was man aus der runtergekommenen Ästung machen konnte und sie suchten eine große Menge Eutonen, um den alten Schimpi zum verlassen seiner gebauten Ästung zu bewegen.
Nachdem die beiden viel Zeit brauchten und jede Menge Äste zurecht gebogen hatten war die Ästung endlich so, dass beide glücklich dort wohnten und endlich nicht mehr getrennt waren.

Eutonen waren kleine Früchte, die von einer sehr harten Schale umgeben waren. Ihr Inneres war so bestens geschützt und sehr lange haltbar. Das Innere der Frucht war dazu sehr schmackhaft und nahhaft zugleich. Viele Schimpis benutzen die Eutonenfrüchte als Tauschmittel für Dinge die sie nicht selbst erledigen konnten. Sie waren auch bei anderen Tieren beliebt und gerne als Tauschmittel gesehen.

Wenn sie nicht gerade mit den Doppelrunden beschäftigt waren unternahmen sie weite Reisen weit über die Grenzen von Gonao hinaus.

Einmal wollten Sie auch in die Region von Notralien reisen. Notralien war eine Dschungel der so weit weg war, dass es nur die wenigsten Schimpis überhaupt in ihrem Leben schafften dort hinzukommen. Man erzählte sich viel spannende Geschichten über die Wälder und Berge von Notralien, genauso wie über deren Wüsten und andere Landschaften. Es sollten dort Tiere leben die sich meisten Schimpis aus Gonao noch nicht einmal vorstellen konnten. Spinnen von der Größe einer Lotingfrucht und Tiere die nur hüpften statt zu rennen oder zu klettern. Felsen die so groß waren, dass man mehrere Stunden brauchte um an ihnen hochzuklettern, und das als Schimpi. Das Meer sollte dort auch besonders schön sein, wenn auch gefährlich. Also es gab so viele Gründe wie Fürchte auf einem Lotingbaum dort einmal hinzureisen.

Lange hatte Taoa und Maino geplant und Eutonen gesammelt um ihren Traum zu verwirklichen. Die Eutonen waren nötig, denn niemals konnten sie aus einer Kraft bis dort hin kommen, denn allein schon Notralien war so groß, dass man es nicht in einem Jahr mit Doppelhölzern auf gut ausgebauten Wegen schaffte vom einen zum anderen Ende zu gelangen. Sie waren also auf schneller Fortbewegungmittel angewiesen.

Der Tag war gekommen an dem die große Reise beginnen sollte…




Die Geschichte geht weiter...